Deine Augen sind schwer, du fühlst dich hundemüde. Dir knurrt der Magen, du bist gereizt und spürst ein regelrechtes Loch im Bauch. Wir alle wissen, wie es sich anfühlt, wenn unsere körperlichen Grundbedürfnisse sich bei uns melden.
Wir sind alle Menschen. Und wir alle streben danach, unsere lebensnotwendigen Bedürfnisse zu stillen. Doch reicht uns das, satt und ausgeschlafen zu sein? Haben wir vielleicht noch weitere Grundbedürfnisse, die uns wichtig sind?
In diesem Artikel erklärt dir der Sozialpsychologe und Konfliktforscher Prof. Dr. Ulrich Wagner, was man braucht, um glücklich zu sein und wie die Verletzung unserer menschlichen Grundbedürfnisse zu Konflikten führen kann.
Was sind Grundbedürfnisse?
„Abgesehen von den grundlegendsten körperlichen Bedürfnissen wie jenen nach Nahrung, und Entspannung haben wir noch weitere grundlegende psychologische Bedürfnisse. Dazu gehören unter anderem die Bedürfnisse nach Sicherheit, der Verbundenheit mit anderen, Wertschätzung, Wissen und Selbstverwirklichung“, sagt Prof. Dr. Wagner.
Unser Experte führ fort: „Manchmal entwickeln Menschen darüber hinaus auch sehr individuelle Grundbedürfnisse, die ihnen wichtig sind. Wenn wir diese einigermaßen erfüllen können, macht uns das zufrieden. Umgekehrt bedeutet das aber auch: Wenn Grundbedürfnisse verletzt sind, zum Beispiel in Konflikten, versuchen wir, diese verletzten Grundbedürfnisse doch zufriedenzustellen. Das kann sehr zur Konflikteskalation beitragen."
„Welche Bedürfnisse uns in einem bestimmten Moment wichtig sind, hängt auch von der Situation ab", sagt Prof. Dr. Wagner. „Nicht jedem Menschen ist jedes psychische Grundbedürfnis immer gleich wichtig. Wir haben unterschiedliche Vorstellungen davon, was man braucht, um glücklich zu sein. So möchte eine Person ihr Bedürfnis nach Wissen befriedigen und deshalb die Welt bereisen. Einer anderen Person ist ihr Bedürfnis nach Sicherheit wichtiger und bleibt deshalb lieber am selben Ort.“
Warum sind Grundbedürfnisse so wichtig?
Während wir mit unseren körperlichen Bedürfnissen konfrontiert sind, sieht es bei den weiteren Bedürfnissen etwas anders aus. „Müdigkeit oder einen knurrenden Magen etwa können wir nur schwer ignorieren, denn sie machen recht deutlich auf sich aufmerksam. Wenn andere Grundbedürfnisse nicht erfüllt oder gefährdet sind, ist das oft nicht so klar. Es stellt sich ein Gefühl ein, dass irgendetwas nicht stimmt. Unsere Laune verschlechtert sich, wir suchen nach Erklärungen“, sagt unser Experte.
Egal ob psychologisch oder körperlich – unsere Bedürfnisse können unser Handeln und den Umgang mit unseren Mitmenschen steuern, oft auch unbewusst. Prof. Dr. Wagner erklärt: „Wenn zwei Personen einen Konflikt haben, in dem ein oder mehrere Grundbedürfnisse der jeweils anderen Person verletzen werden, dann neigt der Konflikt zur Eskalation. Oft entzündet sich die Verletzung eines Grundbedürfnisses an einem oberflächlichen Ereignis oder Missverständnis. Ein falsches Wort, das vielleicht gar nicht so gemeint ist, und die Gegenseite fühlt sich in ihrem Bedürfnis nach Sicherheit, der Verbindung mit anderen, in ihrer Wertschätzung oder einem anderen wichtigen Grundbedürfnis verletzt, manchmal, ohne dass ihr das so klar ist oder dass sie genau sagen kann, was sie kränkt. Die Konfliktparteien sind dann oft selbst erstaunt, warum die Konfliktaustragung immer aggressiver wird.“
Was den Konfliktbeteiligten häufig nicht bewusst ist, ist, dass eine erfolgreiche und faire Konfliktlösung auch darin besteht, die zugrundeliegenden verletzten Grundbedürfnisse der Parteien zu identifizieren und zu versuchen, Lösungen zu finden, die mit den Grundbedürfnissen aller Beteiligter vereinbar sind.
Zu verstehen, welche Grundbedürfnisse anderen Menschen wichtig sind, kann dazu beitragen, Konflikte zu entschärfen, manchmal sogar zu vermeiden und die Welt zu einem friedlicheren Ort zu machen. Versuche, deine eigenen Grundbedürfnisse zu erkennen, indem du überlegst, in welchen Situationen du dich besonders wohl fühlst und warum das so ist.
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